Argentinien an der WM 2026 — Titelverteidiger ohne Messi?

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Das Bild von Lionel Messi mit dem WM-Pokal in Lusail ist vier Jahre alt, und die Frage, die ganz Südamerika bewegt, hat eine bittere Antwort gefunden: Messi wird an der WM 2026 nicht teilnehmen. Der achtmalige Ballon-d’Or-Gewinner hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der Copa América 2025 erklärt — mit 38 Jahren und dem Wissen, dass sein Körper die Belastung eines 48-Teams-Turniers nicht mehr tragen kann. Argentinien tritt als Titelverteidiger an, aber ohne den Mann, der den Titel geholt hat. Die Dezimalquote von 9.50 spiegelt diese Ambivalenz wider: Respekt vor dem amtierenden Weltmeister, aber Skepsis gegenüber dem Post-Messi-Kader. In Gruppe J warten Algerien, Österreich und Jordanien — eine machbare, aber nicht triviale Aufgabe.
Die neue Generation — wer füllt die Lücke?
Als ich 2022 in Katar sass und Messi den Pokal hob, fragte ich mich: Wer übernimmt? Drei Jahre später hat Trainer Lionel Scaloni die Antwort gefunden — und sie lautet nicht «ein Einzelner», sondern «das Kollektiv». Argentinien unter Scaloni ist kein Ein-Mann-Team mehr, sondern eine taktisch disziplinierte Einheit, die aus einer stabilen Defensive heraus agiert und offensiv auf Schnelligkeit und Kombinationsspiel setzt.
| Spieler | Position | Verein | Alter | Länderspiele |
|---|---|---|---|---|
| Julián Álvarez | Mittelstürmer | Atlético Madrid | 26 | 40+ |
| Lisandro Martínez | Innenverteidigung | Manchester United | 28 | 25+ |
| Alejandro Garnacho | Linksaussen | Manchester United | 21 | 20+ |
| Enzo Fernández | Zentrales Mittelfeld | Chelsea | 25 | 35+ |
| Cristian Romero | Innenverteidigung | Tottenham | 28 | 30+ |
| Emiliano Martínez | Torwart | Aston Villa | 33 | 30+ |
| Nicolás González | Rechtsaussen | Juventus Turin | 28 | 25+ |
| Alexis Mac Allister | Zentrales Mittelfeld | Liverpool | 27 | 30+ |
Julián Álvarez hat sich bei Atlético Madrid zum kompletten Stürmer entwickelt. Was ihn besonders macht: Er kombiniert die Arbeit eines Pressing-Stürmers mit der Abschlussqualität eines Strafraumjägers. In der Qualifikation erzielte er acht Tore in 14 Spielen und übernahm die Rolle des Haupttorjägers, die jahrelang Messi gehörte. Álvarez‘ Torschützenkönig-Quote liegt bei 15.00 — ein Wert, der angesichts seiner Spielzeit und Argentiniens potenziellem Turnierverlauf durchaus attraktiv ist.
Alejandro Garnacho ist der aufregendste junge Spieler im argentinischen Kader. Mit 21 Jahren bringt er bei Manchester United die Mischung aus Tempo, Tricks und Unberechenbarkeit mit, die Argentinien auf den Flügeln braucht. Garnacho ist nicht Messi — niemand ist Messi — aber er hat die Fähigkeit, Spiele mit individuellen Aktionen zu entscheiden, und genau das braucht eine Mannschaft, die ihren kreativen Kopf verloren hat.
Enzo Fernández hat sich bei Chelsea zum Mittelfeldmotor entwickelt, den Scaloni für sein System braucht. Balleroberung, Spielaufbau, Führung — Fernández übernimmt mit 25 Jahren die Verantwortung im Zentrum und bildet mit Alexis Mac Allister (Liverpool) eine der stärksten Mittelfeldpaarungen des Turniers. Im Vergleich zu Messis Argentinien, das offensiv von einem Genie abhängig war, ist Scalonis neues Team strukturierter und defensiv stabiler — aber auch weniger unberechenbar.
Im Tor steht Emiliano «Dibu» Martínez, der bei der WM 2022 zum Penaltyhelden wurde und bei der Copa América 2024 erneut glänzte. Martínez‘ Fähigkeit, Penaltyschiessen zu dominieren — durch Psychospiele, Provokation und exzellentes Stellungsspiel — ist bei einem 48-Teams-Turnier mit mehr K.o.-Spielen ein unschätzbarer Vorteil. Kein anderer Torwart im Turnier hat eine vergleichbare Penalty-Bilanz: 8 von 17 gehaltenen Penaltys in seiner Länderspielkarriere.
Qualifikation und Scalonis Handschrift
Argentinien beendete die südamerikanische Qualifikation als Gruppensieger — ein Ergebnis, das nach der turbulenten Übergangsphase von Messi zu Álvarez nicht selbstverständlich war. Die Bilanz: 11 Siege, 4 Remis, 3 Niederlagen in 18 Spielen. Bemerkenswert ist die defensive Stabilität: Nur 12 Gegentore in 18 Spielen, der beste Wert aller CONMEBOL-Teams. Scaloni hat die Identität dieses Teams bewusst verschoben — weg von der offensiven Brillanz der Messi-Ära, hin zu einer kompakten, schwer zu schlagenden Mannschaft, die Spiele durch einzelne Momente entscheidet.
Die drei Niederlagen kamen gegen Brasilien (auswärts in Belém), Uruguay (auswärts in Montevideo) und Kolumbien (auswärts in Barranquilla) — allesamt schwierige Auswärtsspiele unter extremen klimatischen Bedingungen. Zu Hause in Buenos Aires blieb Argentinien in der gesamten Qualifikation ungeschlagen, mit sieben Siegen in neun Heimspielen. Dieses Heim-Auswärts-Gefälle ist bei der WM weniger relevant, da alle Spiele auf neutralem Boden stattfinden — aber es zeigt, dass Argentinien unter Druck liefert, wenn das Publikum stimmt. In den USA, Mexiko und Kanada wird die argentinische Diaspora für lautstarke Unterstützung sorgen.
Taktisch spielt Argentinien ein variables 4-4-2 / 4-3-3, das sich in der Defensive zu einem 4-4-1-1 verdichtet. Die Flügelspieler — Garnacho links, González oder ein rotierender Kandidat rechts — ziehen sich zurück und unterstützen die Aussenverteidiger. Im Mittelfeld bilden Fernández und Mac Allister ein Duo, das sowohl verteidigen als auch den Ball schnell nach vorne tragen kann. Diese Struktur macht Argentinien zum unbequemsten Gegner des Turniers — kein Team will in der K.o.-Runde gegen die Albiceleste spielen. Die durchschnittlichen 0.67 Gegentore pro Qualifikationsspiel sind der niedrigste Wert aller an der WM teilnehmenden südamerikanischen Teams und untermauern Scalonis defensiven Ansatz.
Ein taktisches Detail, das oft übersehen wird: Scaloni hat ein System entwickelt, das ohne festen Spielmacher funktioniert. In der Messi-Ära drehte sich alles um den Zehner-Raum, den Messi besetzte. Jetzt verteilt sich die kreative Verantwortung auf mehrere Schultern — Fernández spielt den Ball aus der Tiefe, Mac Allister rückt in den Zehner-Raum vor, Garnacho und Álvarez schaffen mit Laufwegen Räume. Das ist weniger spektakulär als Messis Magie, aber taktisch widerstandsfähiger gegen Teams, die eine Manndeckung auf den Spielmacher ansetzen.
Gruppe J — Algerien, Österreich und Jordanien
Für Schweizer Fans hat diese Gruppe eine besondere Note: Österreich, das DACH-Nachbarland, steht in einer Gruppe mit dem amtierenden Weltmeister. Das Duell Argentinien gegen Österreich wird ein Schlüsselspiel — und für das ÖFB-Team eine historische Chance, sich auf der grössten Bühne zu beweisen.
Algerien bringt die physische Qualität der nordafrikanischen Fussballschule mit und hat sich souverän durch die CAF-Qualifikation gespielt. Riyad Mahrez‘ Generation ist zwar gealtert, aber jüngere Spieler haben die Lücken gefüllt. Gegen Argentinien erinnere ich an die WM 2014, als Algerien die Albiceleste im Achtelfinale bis in die Verlängerung forderte — ein 2:1 nach 120 Minuten. Die algerische Mannschaft wird keinen einfachen Gegner abgeben, und die Quoten (Argentinien 1.35, Remis 5.00, Algerien 10.00) spiegeln diesen Respekt wider.
Jordanien ist der Überraschungsgast der Gruppe — Asien-Cup-Finalist 2024 und erstmals bei einer WM dabei. Die jordanische Mannschaft hat in der asiatischen Qualifikation gezeigt, dass sie diszipliniert verteidigen und auf Konter lauern kann. Gegen Argentinien fehlt allerdings die individuelle Qualität, um den Titelverteidiger ernsthaft zu gefährden. Mein erwartetes Ergebnis: 2:0 oder 3:0 für Argentinien. Für den Wettmarkt ist dieses Spiel vor allem als Handicap-Wette relevant: Argentinien -1.5 bei einer Quote von rund 1.65 bietet ein attraktives Chancen-Risiko-Profil.
Die Gruppenphase insgesamt sollte für Argentinien eine kontrollierte Angelegenheit werden. Scaloni wird die ersten beiden Spiele nutzen, um sein System einzuspielen und die Belastung zu steuern — möglicherweise mit Rotation gegen Jordanien, um Álvarez und Fernández für die K.o.-Runde frisch zu halten. Das dritte Gruppenspiel gegen Österreich wird der wahre Massstab: Ein Sieg würde den Gruppensieg sichern und den Titelverteidiger als ernsthaften Kandidaten für die späten Runden bestätigen.
| Team | FIFA-Ranking | Gruppensieger-Quote | Prognose |
|---|---|---|---|
| Argentinien | ~2 | 1.25 | 1. Platz |
| Österreich | ~22 | 5.50 | 2. Platz |
| Algerien | ~30 | 8.00 | 3. Platz |
| Jordanien | ~65 | 41.00 | 4. Platz |
Argentinien-Quoten 2026 — lohnt sich die Titelverteidigung?
9.50 auf den dritten WM-Titel in Folge — eine Quote, die den Verlust von Messi und die Unsicherheit der Post-Ära-Umstellung einpreist. Historisch hat noch nie ein Titelverteidiger bei einer WM-Endrunde mit erweitertem Format (mehr als 32 Teams) verteidigt, was einen direkten Vergleich unmöglich macht. Mein Modell schätzt Argentiniens Titelwahrscheinlichkeit auf 10 Prozent — leicht unter der impliziten Quote von 10.5 Prozent, was bedeutet, dass der Markt Argentinien nahezu korrekt bewertet.
| Markt | Quote (dezimal) | Implizite Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Turniersieger | 9.50 | ~10.5 % |
| Gruppensieger Gruppe J | 1.25 | ~80 % |
| Halbfinale erreicht | 3.00 | ~33 % |
| Álvarez — Torschützenkönig | 15.00 | ~7 % |
Wo ich Value sehe: Der Markt «Argentinien erreicht das Halbfinale» bei 3.00. Scalonis Mannschaft hat seit 2019 eine aussergewöhnliche Turnierbilanz: Copa América 2021 (Sieger), WM 2022 (Sieger), Copa América 2024 (Finale). In drei von drei Turnieren mindestens das Halbfinale zu erreichen, deutet auf eine strukturelle Stärke hin, die über Messi hinausgeht. Die implizite Quote von 33 Prozent für das Halbfinale liegt meiner Einschätzung nach 5 bis 8 Prozentpunkte unter dem realen Wert — das ergibt eine Value-Wette mit positivem Erwartungswert.
Argentinien ohne Messi ist ein anderes Team — aber kein schlechteres. Es ist ein Team, das weniger magie- und mehr systemabhängig ist, das defensiv stärker und offensiv berechenbarer agiert. Für den Wettmarkt bedeutet das: Unter-Wetten bei Argentinien-Spielen sind attraktiver als Über-Wetten, und die Halbfinale-Quote bei 3.00 bietet den besten Einstiegspunkt für eine Langzeitwette auf den Titelverteidiger.